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Woche 3

Sinai

Meine Vorstellung von meiner Yoga täglichen Praxis war jahrelang vielmehr von einem nicht überprüften Clichee geprägt, als von einem tiefen Bedürfnis, Yoga zu üben. Ich hatte die Vorstellung, wenn ich ein „richtiger“ Yogi sein will, MUSSTE ich zwangsläufig dieses Bedürfnis verspüren, morgens um 6 aufzustehen und täglich mindestens eine halbe Stunde Yoga zu üben. Als ich mit Yoga anfing, habe ich mir nie groß Gedanken „über zuhause üben“ gemacht. Dann aber fing ich die Ausbildung an und ich wollte einen Profi sein. Im Laufe der drei Jahren steigerte sich der innere Zwang, ein Profi sei im Üben vorbildlich. Es bedeutete, Yoga zu einem täglichen Ritual zu machen: Aufstehen, waschen, heißes Wasser trinken, Toilettengang, Yoga! G’fälligst!

Profi sein

Ich wollte so sehr ein Profi sein, dass ich es versuchte... Ich überwand den Schweinehund oft, und ging mein aufgelegtes Ritual durch... es ging immer eine Zeit lang... selten sehr lange.

Irgendwann bekam ich Probleme im privaten Bereich und so starke Rückenschmerzen, dass ich nur gezielte Übungen, gezeigt von meinem Ausbilder, machte. Weiterhin hatte ich dieses Bild, wie es zu sein hatte: ich musste dieses Ritual „durchziehen“, um ein Yogalehrer, sein zu dürfen. Wer erteilte mir denn diesen Titel? Ein Profi war ich schon, ich hatte meine Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen, zahlreiche Seminare pro Jahr zusätzlich besucht, unterrichten angefangen. Was war also los? Warum konnte ich mich von dieser Vorstellung „ein Profi übt täglich“ nicht lösen? Ich meinte, ich definiere mich als Yogalehrer durch mein Handel und mein Handel in Sachen Üben zeigte mir, dass ich kein Profi war. Oder etwa nicht? Ich habe nicht hingehorcht, mich nicht gefragt, was mich von Yoga-Üben abhält. In mir war nur der Widerwille, mich Zwängen zu unterwerfen. Gott sei dank! Und zwar war der Tyrann in dem Fall ICH SELBST. Eine solche Vorstellung ist eine steife Angelegenheit, unüberprüft, leer vom Leben, unflexibel und auf Dauer Gesundheit schädigend.

Zurück zur Quelle

Mit meiner beruflichen Laufbahn entfernte ich mich von Yoga eine Zeit lang, vom Üben, von den dogmatischen Gedanken, die ich ihm zusprach, Unterrichten machte mir keinen Spaß. Dafür unterrichtete ich Kinder im Gymnasium, Sprachen, und das machte mir Spaß. Ich durfte viel über mich selbst lernen und meine Fähigkeiten zu unterrichten. Parallel machte ich eine Ausbildung zur systemischer Beraterin und Coach. Dabei lernte ich, dass mein Widerwille, mich Zwängen zu unterwerfen, eine großartige Fähigkeit war, nämlich die Fähigkeit MEINEN WEG zu gehen, anstatt einen von Außen festgelegt. So ging ich meinen Weg im Sprachen-Unterricht mit den Kindern. Dann kam ich zu Yoga zurück, weicher, flexibler, neugierig: Regelmäßige Einzelstunden, Unterricht, mal üben, mal nicht üben. Mit der Zeit gingen die Rückenschmerzen tatsächlich zurück (nach 8 Jahren). Ich hörte auf mich und auf meinen Körper und merkte, dass ich fast von Vorne anfangen konnte... mit einer ganz neuen Betrachtung: „Was spüre ich“ ist die neue Frage, und nicht mehr „ich muss doch das spüren“. Ich lasse mich überraschen. Yoga üben fällt mir dafür bei Weitem nicht jeden Tag gleich leicht. An manchen Tagen ruft mein Körper oder mein Kopf regelrecht danach. An manchen anderen Tagen, lasse ich mich sehr leicht davon abbringen, weil ich keine Zeit finde, weil der Raum gerade belegt ist und der Vorwand ist mir dann willkommen. Und dann gibt es Tage, an denen ich mich schlicht und einfach entscheide, Yoga zu üben. Und es hört nicht einmal da auf, dann packt mich die Neugierde und ich durchsuche meine Unterlagen und Bücher nach bestimmten Asanas für meine Gruppenteilnehmer. Ich unterrichte wieder seit zwei Jahren und es macht mir Spaß. Es sind im Kurs nur Leute, die genau da hinwollen. Ich versuche niemanden zu überzeugen, dass es das Richtige ist, ich bitte keine esoterischen Effekte an, keine Ohms, keine Teerunde, keine Gesprächsrunde, wir machen Yoga und ich unterrichte professionell, das macht nämlich ein Profi.

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